Reise USA

Ouray – Moab

Nachdem wir gestern Abend unsere Uhren endlich auf die richtige Mountain-Time gestellt hatten, stehen wir heute zeitgerecht um 5:45 Uhr auf. Ein Blick aus dem Fenster verheisst nichts Gutes: leichter Regen, die Bewölkung hängt tief im engen Tal.

Um 7:00 Uhr sitzen wir im Frühstücksraum (zur Erinnerung: Comfort Inn) und wundern uns über das ungewöhnlich reichhaltige Angebot: neben Ei- und Hamburgerpatties gibt es Grapefruitspalten, Muffins und sogar einen Waffelautomaten.

Um 8:15 Uhr checken wir aus und werden von den Hotelangestellten überaus freundlich verabschiedet.

Für einen Geocache muss ich noch eine Information am Infocenter des Box-Canyon in Erfahrung bringen.

Auszug aus dem Reiseführer „Four Wheeling in the San Juans“:

Last Dollar Road (Class 1, Easy)

This is one of the easier trails in the San Juan region and one of several that you can take from Ouray to Telluride. Some of this trail can be driven in a passenger vehicle. Much of it, however, can be made significantly more difficult if the terrain is wet, becoming very slippery on some steep sections.

Wir biegen in die Einmündung ein, machen ein Foto, notieren Zeit und Kilometerstand.

Wir fahren auf der 550 in Richtung Montrose, biegen bei Colona links ab, fahren in die Pampa und machen einen Hausbesuch. Insider wissen, was gemeint ist. Anschließend fahren wir zurück Richtung Ridgeway und biegen auf die 62 ab. Nach knapp 10 Meilen zweigt links die Last-Dollar-Road ab.

Um 9:50 Uhr beginnt der Spaß mit 21.605 Kilometer auf dem Tacho.

Die Straße macht einen guten Eindruck, die Berge vor uns sind in Wolken gehüllt und schneebedeckt. Links der Straße verläuft ein idyllischer Fluss. Nach kurzer Zeit überholen wir zwei Mountainbiker. Ich entdecke einen aufgestauten Teil und einen Holzdamm. Biber? Wir halten und schauen uns um – leider keine Biber zu sehen. Wir fahren auf eine Hochebene und sehen links und rechts der Straße große Anwesen mit markanten Einfahrten im Dallas-Stil. Es fängt an zu regnen, die Straße macht trotzdem einen guten und festen Eindruck.

Nach kurzer Zeit muss eine Bachfurt durchfahren werden. Aufgrund des Schmelzwassers ist die Furt relativ breit, mehrere Rinnsale verlaufen auch quer in der rechten Fahrspur.

Egal, Gas und durch. Es hat soviel Spaß gemacht, dass ich den Rückwärtsgang einlege und zurückfahre. Ich baue die Videokamera auf das Stativ und filme unsere (zweite) Furtdurchquerung.

Es geht immer höher in die Berge, die Temperatur sinkt auf 3° Celsius, der Niederschlag geht in Schneeregen über. Links und rechts der Straße liegen kniehohe Schneefelder. Die Straße hat nun kleinere schlammige Stellen, ist aber problemlos zu befahren.

Wir kommen an einen Abzweig, rechts geht es weiter nach Sawpit. Wir orientieren uns nach links und fahren weiter bergan.

Nach der Passüberquerung beginnt der Horror: es geht steil bergab, links ist ein steiler Abhang, rechts am Hang eine tiefe Rinne in der das Schmelzwasser strömt. Dazwischen auf der schmalen Fahrspur schlammige und ausgefahrene tiefe Spuren. Ein Umkehren oder Rückwärtsfahren ist jetzt nicht mehr möglich. Ich lasse die Schwerkraft wirken und zirkele den Allrad-Equinox durch tiefe Schlammpassagen und enge Kehren. Zwischendurch verschwindet die „Straße“ in Wasserpfützen, deren Tiefe nicht einzuschätzen sind. Augen zu, Schwung und durch.

Doro wird immer stiller und bedient Scheibenwischer und Frontscheibenbelüftung. Warum beschlägt die eigentlich immer?

Um 10:55 Uhr haben wir es geschafft und wieder festen Asphalt unter den Rädern. Das Auto sieht aus, als könne es einen umfangreichen Besuch in der Waschanlage verkraften. Die, laut Tacho, zurückgelegten 30 Kilometer fühlten sich weitaus länger an.

Fazit: Falls jemand diesen Trip machen möchte, sollte eine längere Trockenperiode vorangegangen sein. Bergan ist nicht das Problem, ein in der Schlammspur auf den Abhang zurutschendes Auto erhöht den Adrenalinspiegel immens… Wie die Strecke bei gutem Wetter aussieht, gibt es hier zu sehen (von JeepsterGal):

Kurz nach 11 Uhr parken wir unser Fahrzeug an der Hauptstraße von Telluride. Beide nahegelegenen Parkticketautomaten sind ausser Betrieb. Wir schlendern durch die, wegen Bauarbeiten gesperrte, Main Street und besuchen ein paar Outdoorgeschäfte. In einer Nebenstraße entdecken wir eine kleine Bäckerei. In ihr gibt es diverses Backwerk zu kaufen, in einem kleinen Nebenraum kann man es sich bequem machen, eine kostenlose WiFi-Versorgung wird angeboten. Wir kaufen eine Auswahl an Bagels und zwei Donuts. Mit einem heißen Bohnenkaffee beruhige ich meine Nerven.

Um 12:10 Uhr machen wir uns auf den Weg Richtung Moab/Utah. Unterwegs gibt es wieder mehrere Regenschauer, die Temperatur klettert aber langsam in den Bereich von zweistelligen Zahlen.

Südlich des „Manti-la-Sal National Forest“ lockert die Bewölkung auf.

In La Sal kaufe ich im Post Office Briefmarken. Mir fällt ein Hinweis auf eine Simpsons-Sonderserie auf. Ich frage die Postfrau danach. Sie ist ganz erstaunt, als sie hört, dass die Simpsons in Deutschland jeden Abend zu sehen sind.

Ich kaufe einen Riegel mit fünf „44 Cent Marken“ mit den Konterfeis der Familie:

Simpsons Stamps

An der 191 kurz vor Moab sind Bauarbeiter links der Straße damit beschäftigt, den Fahrbahnrand zu sichern. Es sind tiefe Auswaschungen zu sehen, die heftigen Regenfälle haben hier ganze Arbeit geleistet.

Gegen 15 Uhr erreichen wir die Stadt und füllen in einem Supermarkt die Biervorräte auf. Nach dem Volltanken des Autos für 32,55 $ fahren wir den Campground „Sliprock“ an und checken in unsere Cabin ein. Diese ist eine echte Enttäuschung: eine Bretterbude mit zwei Pritschen. Aber Klimaanlage, Sitzgelegenheit, Feuerstelle und Grill sind davor. Doro legt sich vor Frust an den Pool, ich bearbeite die Heimseite.

Heute Abend gibt es einen Pott voller Nudeln mit Tomatensauce – dazu Bier!

Links des Tages

Nach einem reichhaltigen Frühstück (mit Waffeln) besuchen wir den Snowy Peak nahe Colona/Colorado. Auf der Weiterfahrt nach Telluride/Colorado biegen wir auf die Last-Dollar-Road ab. Die Gravelroad wird immer schlechter, nach der Paßüberquerung geht es in schlammigen Passagen dicht am Abgrund zu Tal. In Ouray werden die Nerven beim Bäcker mit Bohnenkaffee und Donuts beruhigt. Weiter geht es über Paradox/Colorado nach Moab/Utah. Auf dem Sliprock-Campground ziehen wir in eine Cabin ein.

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